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Ostalb-Kliniken verschärfen Pflegenotstand durch Stellenstreichungen

Ostalb-Kliniken verschärfen Pflegenotstand durch Stellenstreichungen

ver.di bestreitet die Notwendigkeit der Kürzungen 14.12.2018

Ostalb-Kliniken verschärfen Pflegenotstand durch Stellenstreichungen

ver.di bestreitet die Notwendigkeit der Kürzungen

An deutschen Krankenhäusern wird zu wenig Personal beschäftigt – auch an den Ostalb-Kliniken ist der Notstand spürbar. Überlastung der Beschäftigten und belastende Arbeitszeiten sind die Folge. Überstunden werden zum Normalfall, täglich springen Beschäftigte spontan aus ihrem Frei ein oder bleiben länger im Dienst, um die Versorgung der Patienten aufrecht zu erhalten. „Die angekündigten Stellenstreichungen werden die Situation weiter verschärfen“, befürchtet Jonas Schamburek, Gewerkschaftssekretär im ver.di Bezirk Ostwürttemberg-Ulm.

"Um die Personalausstattung für die Pflege im Krankenhaus zu verbessern, wird zukünftig jede zusätzliche und jede aufgestockte Pflegestelle am Bett vollständig von den Kostenträgern refinanziert. Das mit dem Krankenhausstrukturgesetz eingeführte Pflegestellen-Förderprogramm wird damit über das Jahr 2018 hinaus weiterentwickelt und ausgebaut“, liest man auf der Website des Bundesministeriums für Gesundheit. „Offenbar ist das Pflegepersonalstärkungsgesetz von den Verantwortlichen auf der Ostalb jedoch nicht verstanden worden“, kritisiert Jonas Schamburek.

„Die Finanzierung der krankenhausindividuellen Pflegepersonalkosten sind ein toller Erfolg vieler Tausend Beschäftigten, die in den vergangenen Jahren mit Unterstützung der ver.di bundesweit sichtbar laut gekämpft und auch gestreikt haben“, freut sich Jonas Schamburek. „Ausgerechnet jetzt mit Stellenstreichungen den Personalmangel zu verschärfen, verkennt die rechtlichen Möglichkeiten und ist ein Affront gegenüber den Beschäftigten, die dringend Entlastung und gesunde Arbeitsbedingungen brauchen!“

ver.di ist bereits in Gesprächen mit möglichen Unterstützer*innen, um gemeinsam gegen die geplanten Kürzungen aktiv zu werden. Einer Diskussion über mögliche Verbesserungen der Arbeitsabläufe wird sich die Gewerkschaft nicht verschließen. Hierbei müssen jedoch gesunde Arbeitsbedingungen und eine gute Patientenversorgung im Mittelpunkt stehen.

Gemeinsam mit dem Personalrat des Ostalbklinikum Aalen hat ver.di begonnen, eigene Personalbedarfszahlen zu ermitteln. Erste Ergebnisse zeigen, dass auf den Stationen das Personal für eine ausreichende Besetzung kaum für einen ganzen Monat reicht. In einzelnen Schichten fehlen auf Stationen bis zu 3 Fachkräfte, um eine optimale Versorgung der Patient*innen zu gewährleisten, teilt ver.di auf der Grundlage eigener Befragungen von Beschäftigten mit.

Solidarität erfahren die Beschäftigten vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). „Eine gute, wohnortnahe Gesundheitsversorgung in Krankenhäusern mit einer bedarfsgerechten Personalausstattung ist wichtig für die sozial-ökonomische Entwicklung in unserer Region und ist eine grundlegende Voraussetzung für die Lebensqualität der Menschen hier,“ gibt Kerstin Pätzold, DGB-Gewerkschaftssekretärin im Ostalbkreis, zu bedenken. „Junge Familien zu überzeugen auf die Ostalb zu ziehen, hängt sehr stark von einer intakten sozialen Infrastruktur ab. Wird diese in Frage gestellt, so verschärft sich der Fachkräftemangel für alle Wirtschaftsbranchen.“

ver.di fordert den Landkreis als Träger des Krankenhauses auf, auf die geplanten Stellenstreichungen zu verzichten und stattdessen die Pflegekräfte durch Schaffung neuer Stellen zu entlasten.